Woran erkenne ich eine gute Traurednerin? Die 5 wichtigsten Qualitätskriterien.

Lachende Braut und Gäste während der Trauzeremonie mit Traurednerin und Sängerin Anny Maleyes

Woran erkennt man eigentlich eine gute Traurednerin? Keine leichte Frage und leider nicht pauschal zu beantworten, spielt letztlich doch auch der persönliche Geschmack eine nicht unerheblich Rolle. Nur weil ICH Zartbitter-Schokolade mit Mandeln mag, heißt das ja nicht, dass das die einzige leckere Sorte auf der Welt ist und alle anderen die auch mögen müssen ;-) Trotzdem gibt es ein paar Kriterien, die ganz klar die berühmte „Spreu vom Weizen trennen“…

1.) Persönliche Eigenschaften einer Rednerin

Würdet Ihr Eure Trauung dem Elefanten im Porzellanlanden, der Diva im Rampenlicht oder dem piepsenden, grauen Mäuschen anvertrauen? Sicher nicht!
Eine gute Traurednerin sollte all das auf jeden Fall NICHT sein. Vielmehr muss sie sich unbedingt ins Brautpaar einfühlen können, ein Gespür dafür haben, wie das Paar sich seine Trauung wünscht: eher feierlich oder lieber locker? Mit besonders viel Humor oder lieber Emotional? Wie weit kann sie dabei gehen und wann schießt sie übers Ziel hinaus! Fingerspitzengefühl ist also gefragt und Empathie enorm wichtig.
Neben einer ordentlichen Portion Einfühlungsvermögen sind Engagement und Herzblut ebenfalls hilfreiche „Zutaten“. Außerdem Kreativität, tolle Ideen für die Ansprachen, Wortgewandtheit, guter Schreibstil und die Fähigkeit zu Präsentation und Moderation. Eine Prise Herzlichkeit und die allseits beliebte Authentizität können auch nicht schaden ;-)

All das macht eine gute Traurednerin aus. Das Dumme ist nur, dass Ihr viele dieser Eigenschaften erst bemerken werdet (oder eben deren Fehlen), wenn Ihr Eure Rednerin schon gebucht habt oder gar erst, wenn die Zeremonie vorbei ist.

Mein Tipp: Lest die Texte auf der Homepage aufmerksam, denn die sagen zumindest schon mal was über Wortschatz und Schreibstil aus. Gefällt Euch das, stehen die Chancen gut, dass Euch auch die Ansprache in der Zemonie gefällt. Der Kontakt per Mail oder Telefon gibt einen ersten Eindruck über den persönlichen „Draht“ bzw. die berühmte "Wellenlänge" und "Chemie". Das könnt Ihr beim Kennenlern-Gespräch dann vertiefen. Letztlich müsst Ihr für diesen Part auf Euer Bauchgefühl vertrauen. Findet Ihr die Rednerin sympathisch und fühlt Ihr Euch in ihrer Nähe wohl? Dann ist eine ganz wichtige Voraussetzung schon mal erfüllt!

2.) Die Ansprache

Fast alle Rednerinnen werben mit einer „einzigartigen Zeremonie“ und einer „persönlichen und individuellen Rede“. Bei vielen Kolleginnen, denen ich bereits begegnet bin, trifft das auch zu. Da ich ich bei meiner Tätigkeit als Sängerin auch immer wieder freien Trauungen von anderen Kolleginnen beiwohnen durfte (und darf), weiß ich jedoch auch, dass leider längst nicht überall wo „persönlich und individuell“ drauf steht, auch „persönlich und individuell“ drin ist. Entgegen der eigenen Werbung wird also mehr oder weniger ausgeprägt mit einem Baukasten-System gearbeitet. Zwar liegt Recycling im Zuge der Umweltbewegung voll im Trend, doch habe ich noch kein Paar kennengelernt, dass eine Ansprache möchte, die so oder so ähnlich vorher schon bei 10 anderen Paaren verwendet wurde.

Wie erfahrt Ihr nun, ob Eure Wunschrednerin WIRKLICH individuell arbeitet? Ganz einfach: fragt sie! Auch dazu ist ein Kennlernen schließlich da. Fragt nach, wie viel der Rede extra individuell für Euch geschrieben wird.

Mein Tipp: wenn nicht MINDESTENS 2/3 der Ansprache auf Euch zugeschnitten sind, dann besteht die Gefahr, dass es sich um eine Standard-Rede handelt, die nur in Teilbereichen auf Euch angepasst wird.

3.) Das Sprechen

Eine Rednerin redet ;-) Doch erstaunlicherweise spricht nicht jede Rednerin automatisch auch GUT. Während Dialekt oder Akzent durchaus charmant (oder auch gewollt) sein können, ist die Angewohnheit vieler Rednerinnen, bei einer Trauung automatisch „weichgespült“ und „salbungsvoll“ zu sprechen, schon deutlich kritischer zu sehen. Natürlich ist es letztlich Geschmacksache. Ich persönlich bin jedoch der Meinung, dass solch gekünstelte Sprecharten, wenn überhaupt dann nur als Stilmittel bei besonders feierlichen Abschnitten oder besonderen Momenten in der Zeremonie zum Einsatz kommen sollten. Eine komplette Ansprache so zu halten führt dazu, dass sie unnatürlich und aufgesetzt wirkt. Nicht selten lenkt es auch vom Inhalt ab, da die Gäste sich darüber amüsieren oder es gar als störend empfinden. Der Inhalt gerät dann schnell in den Hintergrund.

Das gilt ganz besonders auch dann… wenn Rednerinnen… nach jedem halben Satz… eine „dramaturgische“ Pause einlegen. Auch das ist leider… eine relativ weit verbreitete Angewohnheit… und wer so einer Rednerin zuhören muss… wird schnell feststellen… dass DAS… SEHR ermüdend ist! Ganz abgesehen davon, dass es die Trauzeremonie auch noch unnötig in die Länge zieht.

Die Kombination aus beiden „Eigenheiten“ ist für jede Ansprache geradezu tödlich!!! Da kann die Rede noch so toll geschrieben sein, schon nach kurzer Zeit wird es den Gästen schwerfallen, der Rednerin zu folgen – und Euch auch. Und das ist schade, denn schließlich soll der INHALT der Rede in Erinnerung bleiben und nicht die Sprechweise der Rednerin.

Auch eine emotionale und feierliche Trauzeremonie kann mit „normaler“ Stimme durchgeführt werden ;-)

Mein Tipp: Achtet bereits beim Kennenlernen darauf, wie die Rednerin spricht. Wenn Euch da schon Dinge negativ auffallen, Eigenheiten, die Euch stören, dann wird das bei der Trauung ganz sicher nicht besser.

4.) Der Vortrag

Das Ziel ist klar: Ihr und Eure Gäste sollt und wollt über die komplette Trauung hinlweg von der Ansprache gefesselt sein! Das gelingt am besten, wenn die Rednerin nicht nur eine interessante, humorvolle, emotionale und bildhafte Rede SCHREIBEN, sondern diese auch genau SO vortragen kann. Eine gute Rednerin sollte sich nie in den Vordergrund stellen, sondern den Fokus immer beim Brautpaar belassen, aber sie sollte Euch und Eure Gäste auch „mitnehmen“ können. Wenn sie Euch regungslos gegenüber sitzt und monoton ihren Text abliest, dann wird wohl kaum ein Funke überspringen – selbst, wenn sie noch so tolle Formulierungen erdacht hat. Natürlich ist eine Trauung keine Prunksitzung und übertriebene Gestik wirkt sicher genauso fehl am Platz, wie eine überzogene Sprechweise. Aber eine Portion Energie, ein bisschen Leben und Emotionen seitens der Rednerin, verträgt so ein Ereignis durchaus ;-) Dann werdet nicht nur Ihr gerne zuhören, sondern auch Eure Gäste.

Mein Tipp: Da sich Stimmlage und Art des Sprechens während des Vortragens einer Ansprache, durchaus von der Unterhaltung mit Euch beim Kennenlernen unterscheiden können, ist ein Live-Video aus einer realen Trauzeremonie (oder ein Ausschnitt daraus), sehr aufschlussreich. Wenn kein Video(Ausschnitt) auf der Homepage der Rednerin zu finden ist, dann fragt danach. Oder bittet sie alternativ, Euch einen Teil einer ehemaligen Ansprache vorzutragen. Eine gute Rednerin hat damit kein Problem und Ihr bekommt einen Eindruck davon, wie sie spricht und den Vortrag gestaltet.
Übrigens: hochproduzierte Image-Videos sind zwar nett, helfen Euch an dieser Stelle aber eher nicht weiter, da sie oft keinen Einblick in eine reale Trau-Situation gewähren.

5.) Das „Drumherum“

Eine gute Rednerin wird IMMER ihr eigenes Equipment mitbringen, denn damit kennt sie sich aus und weiß, dass es funktioniert. Schließlich verlässt sich der Handwerker ja auch nicht darauf, dass ihr ihm Hammer und Zange besorgt oder nutzt Euren Werkzeugkasten ;-) Eine gute Traurednerin weiß, wie wichtig es ist, dass sie auch in der letzten Reihe noch problemlos verstanden wird. Wenn Gäste die Hälfte der Ansprache akustisch nicht verstehen oder sich extrem konzentrieren müssen, um mitzubekommen, was vorne gesagt wird, dann werden sie verständlicherweise sehr schnell abschweifen und sich anderweitig beschäftigen.

Und natürlich wird eine gute Traurednerin immer gepflegt und dem Anlass angemessen gekleidet erscheinen. Dabei – soweit möglich – auch gerne Eure Wünsche z.B. ans Farbkonzept oder Motto der Hochzeit berücksichtigen.

Mein Tipp: Fragt spätestens beim Kennenlernen, ob sie eigenes Equipment hat und mitbringt. Dann ist die Technik schon mal geklärt.
Und in Sachen Outfit geben Euch natürlich Bilder von vergangenen Trauungen auf der Homepage einen guten Eindruck.

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